Die Retrospektive zu Dalís hundertstem Geburtstag
in Venedig und Philadelphia zeigt in ihrem Katalog auf Seite 363 als Ausstellungsstück 222 eine einzige der Aquarellvorlagen von Dalí für seine Dante-Illustrationen. Sie war schon bei den Retrospektiven 1989 in Stuttgart und Zürich die einzige.
Der erläuternde Text auf Seite 362 stammt diesmal von Ricard Mas Peinado, (auch bekannt durch sein 2004 erschienenes Buch über Dalís Gesamtwerk). In dem Text sind Bildmaße, Jahreszahlen, Drucktechnik, Auflagenhöhen und sogar der Name Jean Estrade fehlerhaft angegeben.
Völlig irreführend ist aber die Erklärung des Bildmotivs als Graf Ugolinos Sohn im Vordergrund und Graf Ugolino selbst im Hintergrund des Bildes! Sie setzt Dalís Verständnis für das von ihm mit großer Sorgfalt illustrierte Werk Dantes in unerträglicher Weise herab.
Es ist zwar richtig, daß die Illustration zu Inferno Canto 33 gehört, wie das als erste die italienische Buchausgabe mit Dalís Illustrationen zeigte. Aber es ist nicht nur unsinnig, in Dantes Text hineinzulesen, daß einer der unschuldigen Söhne des Grafen als Sünder in den Frost des Inferno verdammt sei. Darüber hinaus hat Dalí die Figur im Hintergrund mit ihrem Rahmen von Zypressen ausdrücklich nach seiner Illustration des Luzifer zum nächsten Gesang 34 gestaltet.

Eine berichtigte und bereicherte Fassung der Seite 362 finden Sie hier als .pdf-Datei zur Betrachtung mit dem ADOBE Acrobat Reader.